Kulinarisches Lesebuch
Stevan Paul ist gelernter Koch und hat einige Jahre in deutschen Spitzenrestaurants gearbeitet. Doch der in Hamburg lebende 40-Jährige hat noch eine zweite Leidenschaft: das Schreiben. In seinem Buch "Monsieur, der Hummer und ich" vereint er beide Neigungen: Er erzählt vom Kochen und liefert die Rezepte gleich mit.
Begegnung mit Bocuse

Schon beim Blättern in Stevan Pauls Buch wird deutlich, dass die Zunft stolz auf ihn sein kann: Er bietet schönstes Styling auf engem Raum. Da glänzt kein in Form geschnittenes Gemüse auf großen bunten Bildern, hier herrscht die Natur und eine strenge Schwarz-Weiß-Ästhetik. Die Fotos hat der Autor selbst gestaltet; entsprechend gut passen sie zu Geschichten und Rezepten. Die Bilder sollen "rau und unfertig" wirken, betont Pauls, er sei schließlich kein Fotograf. Geschichten schreiben hingegen kann er richtig gut. Er erzählt flott, präzise, mit viel Witz und Selbstironie - zum Beispiel von seiner Begegnung mit Paul Bocuse, dem Gott aller Köche. Eines Tages stand Stevan Paul diesem unverhofft im Hotelflur gegenüber und brachte gerade noch "Monsieur Bocuse" heraus: "Das war für mich unfassbar beeindruckend", sagt Pauls. "Das ist wirklich eine Begegnung mit Gott, so heißt die Geschichte ja auch."
Lust auf Vorspeisen
Für den prominenten Restaurantkritiker Wolfram Siebeck hat Stevan Paul einst eine raffinierte Vorspeise kochen dürfen. "Ich bin der Vorspeisenmann", sagt er von sich. Das sei die fantasievollste und leichteste Art des Kochens. Auch hier liegt die Tücke manchmal im Detail. Das Siebeck servierte Fritto misto aus Gemüsen mit Thunfischcreme, frittierten Kapern und einer kleinen La-Ratte-Kartoffel gab diesem jedenfalls Anlass zu Kritik: Die Kartoffel ließ Siebeck mit den Worten zurückgehen, sie habe einen Hauch zu viel Biss. Stevan Paul schildert die eigene Zerknirschung und die große Aufregung in der Küche wunderbar selbstironisch. Sein Tipp: Statt der kleinen, edlen französischen Kartoffel einfach eine andere, vorwiegend festkochende verwenden. Aus jeder Geschichte entspringt so ein Rezept, das gut erklärt wird und zum Nachmachen einlädt.
Von der Zutat zum Rezept
Hunger oder zumindest Appetit muss Stevan Paul haben, wenn er seine Rezepte entwickelt. Wenn er nicht weiterkomme, blättere er in Kochbüchern, erzählt Paul. Irgendwann bleibe er an einer interessanten Zutat hängen. Dann überlege er, womit sie kombiniert werden könne und komme so zu neuen Rezepten. "Monsieur, der Hummer und ich" bietet beides: Großes Lesevergnügen für alle und köstliche Rezepte für leidenschaftliche Köche und Köchinnen.
- "Monsieur, der Hummer und ich" von Stevan Paul, Mairisch Verlag, ISBN: 3938539127, 176 Seiten, 18,90 Euro






