Personalstreit im Pflegeheim Emilienhof

Wenn man selbst oder einer seiner Angehörigen schon in ein Pflegeheim muss, dann wenigstens in eines, in dem man sich wohlfühlt. Und genau das verspricht der Emilienhof in Hamburg-Wandsbek. Doch von der Wohlfühl-Atmosphäre spüren zumindest einige Mitarbeiterinnnen nichts mehr. Denn sie wollen einen Betriebsrat gründen und das stößt offenbar auf wenig Gegenliebe bei der Heimleitung. NDR Info hat mit den Betroffenen geredet.
Im Dezember waren die beiden Pflegerinnnen Kathrin und Marion - wir haben ihre Namen geändert - auf die Idee mit dem Betriebsrat gekommen, weil sie sich gegen die - aus ihrer Sicht - schlechten Arbeitsbedingungen wehren wollten. Und seitdem hätten sie fast ständig Ärger mit der Pflegeheim-Leiterin gehabt: "Sie hat versucht, dagegen Wind zu machen. Sie hat auch ein Schreiben aufgesetzt, wo sie die Kollegen darin bestärkt hat, sich genau zu überlegen, wer gewählt werden soll, und wer besser nicht. Da sieht man eigentlich schon, dass sie alles versucht, damit das wieder einschläft."
Fristgerechte Kündigung
Besondere Brisanz bekommt der Fall schließlich, als den beiden Mitarbeiterinnen im Februar, wenige Wochen vor der Betriebsratswahl, fristgerecht gekündigt wird. Marion und Kathrin vermuten, dass ihr Engagement die Runde gemacht hatte - auch wenn die Heimleitung offiziell noch nicht informiert gewesen sei: "Ich hatte mit der Heimleitung und der Pflegedienstleitung ein Gespräch, wo ich gefragt worden bin, inwieweit ich in den Betriebsrat involviert wäre."
Der Betreiber des Emilienhofes weist diese Vermutungen zurück. Es ist die private Pflegeheim-Kette Casa Reha aus dem hessischen Oberursel mit insgesamt 4.600 Mitarbeitern in ganz Deutschland. Pressesprecher Ralf Krenzin erhebt stattdessen eigene Vorwürfe: "Die Betriebsversammlung für den Wahlvorstand fand am 24. Februar statt, schon im Vorfeld waren diese Personen gekündigt und sind, obwohl sie gekündigt waren, nachträglich nominiert worden, für den Wahlvorstand."
"Keine Behinderung der Wahl"
Eine Behinderung der Betriebsrats-Wahlen schließt der Pressesprecher aus. Nur in einem Heim in Berlin gebe es zurzeit ebenfalls Streit mit der Gewerkschaft ver.di: "Wir sind jederzeit dafür, eine rechtlich einwandfreie Wahl durchzuführen, einen Wahlvorstand zu konstituieren, um dann alle Arbeitnehmer-Rechte wahrnehmen lassen zu können." Bereits mit vier anderen privaten Pflegeheimen in Hamburg hat es laut ver.di in den vergangenen Monaten Streit über die Einrichtung eines Betriebsrates gegeben. In diesem Fall geht die Gewerkschaft jetzt vor Gericht und hat eine einstweilige Verfügung beantragt. Auch die beiden gekündigten Mitarbeiterinnen haben inzwischen eine Klage gegen ihre Entlassung eingereicht.






