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Buch-Tipp | 08.02.2010 11:56 Uhr

Helmut Kohl - die Biographie

Vorgestellt von Birgit Langhammer

Cover-Ausschnitt: Helmut Kohl - die Biographie © Verlag Rowohlt Berlin

Vollblutpolitiker, Oggersheimer, Einheitskanzler - Anfang April wird Helmut Kohl, Bundeskanzler a. D., 80 Jahre alt. Anlass für mehrere Verlage, weitere Bücher über Kohl zu veröffentlichen.  Bei Rowohlt ist jetzt eine Biographie zweier Spiegel-Journalisten erschienen.

"Ich will, wenn ich anpacke selbst anpacken, das Zuarbeiten ist nicht meine Sache!" Das gilt schon für den jungen Helmut Kohl. Als Schüler tritt er der CDU bei und gründet eine Gruppe der Jungen Union in seiner Heimatstadt Ludwigshafen. Damals gilt er noch als Rebell, legt sich auch mal beim Plakatekleben mit den "Sozen" an.

Es ist vor allem die Jugend Kohls, seine ersten politischen Schritte, die die beiden ehemaligen Spiegel Politik-Chefs Hans Joachim Noack und Wolfram Bickerich besonders interessieren, so Noack: "Die Biographie sollte nicht da beginnen, wo Kohl schon im Zenit seiner Tätigkeit stand, oder ihn bereits überschritten hatte, wie dann in den letzten Jahren, sondern von Kindesbeinen an, um zu zeigen, wie so ein politisches Kunstwerk entstanden ist, in all seinen Facetten."

Frühes Engagement und Aufstieg 

So beleuchten sie die Jugend im konservativen Elternhaus, den Eintritt mit 16 in die CDU, den langen Aufstieg vom jüngsten Ministerpräsidenten Deutschlands bis zur Kanzlerschaft.

Damals kannte Noack Helmut Kohl gut, im Unterschied zu vielen Pressevertretern hatte er zunächst einen guten Stand bei ihm: "Als ich zum Spiegel gegangen bin, war es  mit der schönen Zusammenarbeit zu Ende. Er hat noch in den letzten Kanzlertagen mir gesagt, 'der Mensch und Journalist Hans Joachim Noack ist mir immer willkommen, der Spiegelredakteur nie. Das Problem kann ich nicht lösen, aber vielleicht Sie'."

Analyse des "Systems Kohl" 

Das Buch ist aber keine späte Rache, keine Abrechnung: Es analysiert das System Kohl, wie er die Partei zum Kanzlerwahlverein degradierte und es beschreibt wie er zum Kanzler der Einheit wurde.

Helmut Kohl: "Nach über 40 bitteren Jahren der Teilung ist Deutschland unser Vaterland wieder vereint. Für mich ist dieser Augenblick einer der glücklichsten in meinem Leben."

Schon wenige Jahre später folgte der Absturz. Kohl schützte durch sein sogenanntes Ehrenwort Spender, auch ein großer Untersuchungsausschuß konnte nie Klarheit in die Abläufe bringen:

Helmut Kohl: "Ich hab das öffentlich bekannt, hab mich auch öffentlich dafür entschuldigt. Aber meine Damen und Herren, ich hab den Spendern mein Wort gegeben. Auch das versteht nicht jeder, ich weiß dies."

Auch Hans Joachim Noack versteht das nicht wirklich: "Ich wünsche ihm, dass er endlich die Größe besäße, diese unsägliche Spendengeschichte aus der Welt zu schaffen, durch ein klares und souveränes Wort, dass seiner geschichtlichen Bedeutung angemessen wäre."

Zu lesen wie ein Artikel im Magazin

Wer in "Helmut Kohl, die Biographie" auf überraschende Neuigkeiten, auf Enthüllungen spekuliert wird enttäuscht. Auch mit Wertungen halten sich die beiden Autoren zurück. Für eine wissenschaftliche Arbeit fehlen ihm die Fußnoten und Zitatverweise - aber das macht es angenehm zu lesen, wie ein umfassender Magazinartikel. Die Biographie ist ebenso für Kohl-Fans wie für Kritiker schlicht eine Gelegenheit, kurz vor dem 80. Geburtstag des Altkanzlers vieles nachzulesen und vielleicht auch neu einzuordnen.

Helmut Kohl - die Biographie

Hans-Joachim Noack und Wolfgang Bickerich

304 Seiten / 19,95 €

ISBN: 3871346578

Verlag Rowohlt Berlin

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